19.-27.7.2003: 2000 km durch Deutschland

 

In den letzten Jahren hat die Ausfahrt „2000 km durch Deutschland“ einen legendären Ruf als sogenanntes „rollendes Automuseum“ erworben. Teilnehmer und Zuschauer schwärmen noch nach Jahren von dem Flair und den Fahrzeugen dieser Ausfahrt. In diesem Jahr gab es sogar einen besonderen Highlight: „Zehn Käfer-Legenden rollen durch Deutschland“. Elf(!) käferförmige Fahrzeuge der Stiftung Automuseum, Autostadt/Zeithaus und der Volkswagen AG waren auf Tour, um das deutsche Publikum zu erobern. Das war wahrlich Grund genug, um sich einmal näher mit dieser Ausfahrt und den Fahrzeugen zu beschäftigen.

 

Die hohe Startgebühr pro Person im Fahrzeug, welche allerdings auch die Hotel- und Verpflegungskosten beinhaltete, garantierte, das nur ernsthafte Oldtimerliebhaber aus aller Welt mit entsprechenden Fahrzeugen teilnahmen. Einige Amerikaner schifften ihre Fahrzeuge sogar aus den USA ein, einige prominente Japaner erhielten BMW-Fahrzeuge gestellt. Auch in diesem Jahr gab es mehr Anfragen als die maximale Starterzahl von 200 Fahrzeugen zuließ.

 

An schönen Fahrzeugen war kein Mangel

 

Neben den erstklassigen Fahrzeugen, darunter dieses Jahr allein 62 Vorkriegsmodelle und 53 Nachkriegsfahrzeuge vor Baujahr 1960 - der Rest war im wesentlichen Sportwagen der 60er Jahre wie Jaguar E-Type, Porsche, Mercedes SL und Ferrari -, begeisterten auch prominente Fahrer auf dieser Ausfahrt. In der Vergangenheit war es insbesondere Huschke von Hanstein, dem das Publikum zuwinkte. In den letzten Jahren hat Hobbythek Moderator Jean Pütz diese Rolle übernommen und begeisterte das Publikum durch seine sportliche Fahrweise. Jean gab auch dieses Mal den 150 Pferden in seinem roten BMW 507 tüchtig die Sporen und fuhr sich trotz Startnummer 129 weit nach vorne ins Teilnehmerfeld. In der zweiten Hälfte der Ausfahrt ließ er es allerdings etwas geruhsamer angehen.

 

Hobbythek-Moderator Jean Pütz in Aktion

 

Die Tour begann in Mönchengladbach und führte über Bitburg, Luxemburg, Speyer, Ulm, Feuchtwangen, Nürnberg, Wernesgrün und Leipzig nach Berlin. Dort gab es eine Nachtetappe rund um Berlin. Weiter ging es über Wolfsburg, Bad Wildungen und Hagen wieder zurück nach Mönchengladbach.

 

Das älteste Fahrzeug mit der Startnummer 1 war ein wunderschöner Benz 8/20 PS von 1912, der allerdings im Laufe der Ausfahrt etwas im Teilnehmerfeld zurückfiel. 62 km Höchstgeschwindigkeit sind eben im heutigen Verkehr nicht mehr ausreichend. Dennoch hielt das Fahrzeug erstaunlich gut mit, was dem Besitzer reichlichen Applaus des Publikums und einen Pokal sicherte.

 

Start in Mönchengladbach

 

Die folgenden Vorkriegsfahrzeuge, eines schöner als das andere, waren deutlich besser motorisiert und fuhren, sofern sie nicht durch eine Panne oder eine verpasste Abfahrt zurückgefallen sind, so schnell wie das restliche Teilnehmerfeld. Man konnte allerdings bei dem einen oder anderen Fahrzeug schon erkennen, dass die hohen Lenkrad- und Bremskräfte eine ausgesprochen hohe Kondition von den Fahrern verlangte. Die Fahrer dieser Fahrzeuge hatten sich ihren Applaus also wahrlich im Schweiße ihres Angesichts verdient.

         

Der VW38

 

Apropos Schweiß: Während die letzte Ausfahrt in heftigem Dauerregen stattfand, ging es diesmal heiß her: Bei Temperaturen bis 36°C im Schatten ist es dem einen oder anderen ganz schön warm geworden. Dies betraf besonders den Fahrer des schwarzen VW 1938. Nicht nur die schwarze Farbe sorgte im Inneren für hohe Temperaturen, nein auch eine nicht abstellbare Warmluftheizung erwies sich als schweißtreibend. Der Servicewagen musste eingreifen und befreite das Team von ihrer Sauna.

 

Nachdem die Heizung repariert war, hatte Jürgen Kolle gut lachen

 

Da wir nun gerade bei VW sind: Neben einigen privaten Volkswagenfahrern waren die folgenden 11 Fahrzeuge des VW-Konzerns vertreten, die unmittelbar hintereinander mit den Startnummern 73-83 in der Reihenfolge ihres Alters starteten:

 

1)      Der feuerrote V 1 aus der Autostadt/Zeithaus.

2)      Der blaue VW 30 aus dem Automuseum.

3)      Der schwarze VW 38 aus der Autostadt/Zeithaus (Jürgen und Dennis Kolle) mit dem irreführenden Kennzeichen IIIA-42803 statt des originalen IIIA-43003, fiel wegen des Heizungsproblems anfangs zurück, hat dann aber wieder stark aufgeholt und später sogar einen Pokal gewonnen.

4)      Das VW Hebmüller Cabriolet von 1949 aus der Autostadt/Zeithaus, mit zwei jungen, hübschen Mädels (Hiltrop/Hucko) von Auto Bild besetzt, die sich als fachkundig erwiesen. Gegen diese Mädels war die Schönheit des Hebmüllers allerdings chancenlos. Eigentlich hätte der Hebmüller gar nicht fahren dürfen, denn sein Kraftstoffhahn stand auf „zu“. Wie sich herausstellte, war der Tank einmal ausgebaut worden und bei der Gelegenheit der Umschalthebel um 180° verdreht eingebaut worden. Der Hebmüller war im hintersten Teilnehmerfeld zu finden.

5)      Der goldene millionste Käfer von 1955 aus der Autostadt/Zeithaus.

6)      Ein schwarzer VW Export von 1960 aus dem Automuseum.

7)      Ein weißer VW Export von 1966 aus dem Automuseum

8)      Ein VW 1302 in blau-metallic von 1972, der Weltmeisterkäfer, von der Autostadt/Zeithaus.

9)      Ein grün-weißer VW 1303 Polizei-Käfer von 1973 aus dem Automuseum (Privatbesitz Ernst-Peter Hagen).

10)  Ein rotes VW 1303 Cabriolet, Baujahr 1979, aus dem Automuseum.

11)  Ein heller VW Käfer „Ultima Edition“, Baujahr 2003, der Volkswagen AG.

 

Ein weiteres braunes VW Cabriolet mit der Startnummer 154, Baujahr 1963, konnte als Preis gewonnen werden. Es fuhr auch ein blauer VW Transporter, Baujahr 1965, der Fa. Stiebel Eltron mit, dessen wunderschönes Originaldesign vom Publikum mit viel Applaus belohnt wurde. Er hatte die Startnummer 162 und hielt sich wacker im Mittelfeld.

 

Der Stiebel-Eltron Bus

 

Leider kann ich nichts spektakuläres über die Fahrzeuge 4 bis 11 berichten, da sie in dem hochklassig besetzten Oldtimerfeld einfach nicht ausreichend auffielen. Allenfalls wäre zu berichten, dass der goldene Käfer besonders von Kleinkindern geliebt wurde, die von seinen glitzernden Edelsteinen auf den Chromteilen magisch angezogen wurden.

 

Mittagspause beim VW-Team

 

In den Pausen kam die große Arbeit für die Serviceteams: Zumindest wurde Kraftstoff nachgefüllt (ältere Fahrzeuge hatten in der Regel nur ein Tankvolumen von 25 l), die Windschutzscheibe geputzt und der Dreck und Staub der letzten Tourstunden entfernt.

 

Es geht gleich weiter

 

Einer der Publikumslieblinge war ein wunderschöner Setra Panoramabus S9, Baujahr 1959 mit der Startnummer 131, der im Mittelfeld zu finden war und für den die Pylone jedes Mal extra auf einen größeren Abstand gestellt werden musste. Sehr schön war auch ein tannengrüner BMW 501 Polizeiwagen, Baujahr 1956, das Gegenstück zum VW 1303 Polizei-Käfer von Volkswagen.

 

Der Polizeikäfer

 

Viel Applaus erhielt auch eine Gruppe von Kleinwagen aus Fiat 500 und Goggomobil, die wieselflink durch die Fahrzeugabsperrung fuhren und trotz ihrer schwachen Motorleistung im Teilnehmerfeld nach vorne fuhren. Sie bewiesen somit, dass Motorleistung beim Autofahren nicht alles ist.

 

Der V1-Nachbau

 

Wenig Applaus erhielten hingegen die VW Prototypen V 1 und VW 30. Die meisten im Publikum waren entsetzt weil sie glaubten, das da wieder so ein verrückter Tuner einen schönen alten Käfer mit einer Flex verunstaltet hat. Zu dieser Ansicht trugen auch unkorrekte Lautsprecherdurchsagen bei. Nur wenn die Lautsprecherdurchsagen auf den Prototypstatus hinwiesen, zeigte sich das Publikum interessiert und spendete regen Beifall.

      

Der VW30-Nachbau

 

Auch die wenigen Motorrad- und Rollerfahrer, für welche die Tour nicht nur wegen der Hitze eine besondere Qual darstellten, wurden vom Publikum mit viel Beifall angespornt.

 

Leider haben die VW-Fahrzeuge auf Anordnung nicht an der Siegerehrung teilgenommen, was vom Publikum mit Unverständnis aufgenommen wurde.

 

Alles in allem wurden somit die „2000 km durch Deutschland“ auch dieses Jahr ihrem legendären Ruf gerecht, und die Marke VW kann sich rühmen, mit exzellenten, seltenen und sehr unterschiedlichen Käfern dabei gewesen zu sein und sogar einen Pokal erkämpft zu haben.           

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