Von Bären, Bärbel, Bernburg und Wittenberg

aufgezeichnet von Ulrich von Pidoll, Braunschweig


Freitag, der 23. Juni 2000, 7:00 Uhr morgens am Flughafen Waggum. Es ist mal wieder Siebenschläferzeit. Zeit für unsere historischen Volkswagen, um zu neuen Landen aufzubrechen, genauer gesagt zu den neuen Bundesländern. Unsere zehnte Ausfahrt wird uns nach Dresden führen.


Schon am ersten Haltepunkt unserer Ausfahrt, nämlich Schloss Bernburg, wird das Leitmotiv unserer Fahrt erkennbar: der Bär. Er taucht nicht nur im Namen von Bernburg auf, sondern auch als Steinfigur am Schloss und als Realität in einem Schlossgehege. Denn der Sage nach soll es den Bernburgern nur solange gut gehen, wie dort noch Bären frei herumlaufen.

Unsere Bärbel hat es in dieser Hinsicht besonders bärenhaft erwischt, taucht doch der Bär nicht nur in ihrem Namen, sondern außerdem noch in ihrem Wohnort Berlin und in der Farbe ihres Autos auf.


Vorbei am Bärenbrunnen, Bärenschenke und Gaststätte "Zum Bären" gelangen wir schließlich in die wunderschöne Fachwerkstadt Torgau, wo wir ebenfalls auf lebende Bären stoßen. Bereits vorher haben wir in Ferropolis einige alte Lokomotiven besichtigt, die wahrlich Bärenkräfte entwickeln können. Bei dieser Gelegenheit konnten wir uns davon überzeugen, wie schlecht man doch aus so einer alten Lokomotive sehen konnte. Besonders unangenehm war es für den Lokführer übrigens im Winter. Hier musste er außerdem noch gegen Verbrennungen und Erfrierungen kämpfen, denn er berührte auf seinem Sitz zwangsläufig die heißen Heizkörper in der eiskalten Lok. Wie praktisch wäre da ein zottiges Bärenfell.


In unserer Herbärge angekommen, werden wir mit Haribo Goldbären empfangen, zum Frühstück gibt es dann Erdbeermarmelade, Himbeermarmelade, Johannisbeersaft und so weiter.

Am nächsten Tag besichtigen wir Dresden. Hierbei konnten wir die Erfahrung machen, dass Begriffe wie "Umgehungsstrasse", "Cityring", "Hauptverkehrsstrassen", und "grüne Welle" im Osten völlig unbekannt sind. So ist es beispielsweise einfach unmöglich, ohne Ortskenntnisse mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, weil man ständig abbiegen muss. Bei dieser Gelegenheit lernen wir auch das holprige Kopfsteinpflaster zu lieben und über die geheimen Abkürzungen der Straßennamen zu rätseln: z.B. Straße der DSF (deutsch sowjetischen Freundschaft), ODF (Opfer des Faschismus), FDGB (freier deutscher Gewerkschaftsbund).

Am Vormittag machen wir eine Stadtführung und erfahren, dass Herzog August der Starke (1670-1733), der später auch König von Polen wurde, das 1685 abgebrannte Dresden zu einer "feinen Salonstadt", dem "deutschen Florenz", neu aufgebaut hatte. In seiner Regierungszeit entstanden Schloss, Zwinger, Frauenkirche, Prinzenpalais, Japanischer Palais, Blockhaus, Ritterakademie, Augustusbrücke, Schloss Moritzburg, sowie bedeutende Sammlungen von Gemälden, Büchern, Porzellan, und Schmuck.

Am Nachmittag teilt sich unsere Gruppe: Einige fahren mit Plandampf in Richtung Kurort Kippsdorf, andere zieht es zur gläsernen Fabrik, ins Verkehrsmuseum oder zur Picasso/Dali/Miro-Ausstellung im Schloss. Abends geht der Bär ab, wir unternehmen eine Dampfbootfahrt auf der Elbe mit einer Dixiband, die bärenhaft gut spielt und schauen dabei der Elbfeier am Elbeufer zu.


Am Sonntag beginnen wir die Rückreise. Unsere erste Station ist in Meißen, eine wunderschöne alte Stadt, allerdings mit einer extrem hohen Busdichte. Wir besichtigen die Manufaktur (wegen Überfüllung allerdings nur von außen), die Altstadt, das Schloss und den Dom. In Oschatz warten wir auf den wilden Robert, eine Kleinbahn mit Dampfbetrieb. Doch leider sind wir eine Dreiviertelstunde zu früh dran, und so beschließen wir, ohne einen Blick auf die schnaufende Bahn weiterzufahren. Dafür wollen wir lieber die Renaissancestadt Wittenberg besichtigen, deren Geschichte untrennbar mit den Namen Lucas Cranach, Melanchthon und Martin Luther verbunden ist.

Zuhause angekommen, liegen 811 km, davon 200 km mit Vollgas (Schnitt über 100 km/h) und 65 l Normalbenzin hinter mir und meinem 30 PS Käfer. Das entspricht einem Verbrauch von 8,0 l/100 km. Abgesehen davon, dass am Ende der Reise mein Unterbrecherkontakt wegen Fettmangels etwas quietschte, sind an unseren Autos keine Pannen aufgetreten. Es war so, als ob sie uns sagen wollten: Lasst uns doch wieder einmal fahren. Und so bleibt die Frage offen: Wohin fahren wir am Siebenschläfer 2001? Dieses Jahr haben wir Braunbären gesehen. Vielleicht sollten wir nächstes Jahr den Eisbären in Berlin einen Besuch abstatten.

 

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