Elf Oldtimer auf den Spuren von Prominenten

aufgezeichnet von Ulrich von Pidoll, Braunschweig

Die Reisegruppe

Am Freitag, den 1.7.2004 um 7:00 Uhr morgens war es wieder einmal soweit: die IG Historische VWs Braunschweig startete zu ihrer 14. Siebenschläferausfahrt. Mit dabei waren diesmal nicht nur luftgekühlte Käfer und Karmann-Ghias: Als besonderen Blickfang begleitete uns diesmal auch ein weinroter Mercedes 170S von 1950. Da auch ein Käfer von 1950 mitfuhr, war somit das billigste und das teuerste Fahrzeug, welches in der ersten Hälfte 1950 auf dem deutschen Markt erhältlich war, vertreten.

Diesmal führte uns unsere Ausfahrt durch das Muldetal ins Erzgebirge. Jede Menge alte Burgen, Schlösser und Klöster sowie gepflegte mittelalterliche Dorfkerne zeugen noch immer vom durch Bergbau begründeten mittelalterlichen Reichtum dieser Region. Es gab soviel zu sehen und zu erkunden, dass wir nicht annähernd alles besichtigen konnten.

Wasserschloss Westerburg

Unser erster Halt führte uns zum Wasserschloss Westerburg, welches während der Sachsenkriege Karls des Großen um 775 gegründet wurde. Hier nahmen wir im rustikalen Gewölbekeller ein gutes Frühstück ein.

Weiter ging es Richtung Blankenburg. Dort fuhren die ersten Fahrzeuge eine ausgeschilderte Umleitungsstrecke, während die nachfolgenden sich aber durch die Baustelle hindurch zwängten. Groß war daher die Überraschung für die Vorfahrenden, als sie per Handy erfuhren, dass sie sich 15 km hinter den letzten Fahrzeugen befanden, die schon an der Rappbodetalsperre warteten.

Sektkellerei Rotkäppchen

Zum Mittagessen hielten wir beim Querfurter Hof in Querfurt, eine wunderschöne alte Fachwerkstatt mit einer mächtigen Burg aus der Karolingerzeit. Der nächste Halt war in Nebra. Hier wurde eine vorgeschichtliche Bronzescheibe, welche den Mond und die Sterne darstellten, gefunden. Weiter ging es zur Sektkellerei Rotkäppchen in Freyburg, wo wir eine kurze Besichtigung vornahmen.

Die alte Klosterruine

Über Naumburg gelangten wir nach Grimma, wo wir im Kloster Nimbschen übernachteten. Dort standen wir in den alten Klosterruinen, die einst Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora kannten. In der Klosterschenke erzählte uns dann der Abt des Klosters in den Hochzeitskleidern von Martin Luther die Geschichte von Katharina, „die Alice Schwarzer des Mittelalters“. Diese wurde gegen ihren Willen von ihrem Vater mit 15 hier ins Kloster gesteckt. Als sie von Martin Luther hörte, welcher predigte, dass Frauen nicht gegen ihren Willen in ein Kloster gesteckt werden dürften, schrieb sie ihm heimlich einen Brief und bat um Hilfe. Luther organisierte daraufhin 1523 die größte Nonnenflucht aller Zeiten und heiratete sie später. Bei der Flucht verlor Katharina übrigens einen Schuh, der noch heute besichtigt werden kann.

Abfahrt Kloster Nimbschen

Am nächsten Tag fuhren wir mit unseren Autos weiter. Doch wir waren nicht die einzigen, die aufbrachen. Gleichzeitig mit uns fuhr noch eine Postkutsche ab, welche hier noch im Planverkehr fährt. Wir nahmen jedoch unsere Autos und gelangten, vorbei am vormals größten Eisenbahnknotenpunkt Deutschlands (Großbothen) mit Gleisen in fünf Richtungen, nach Leisnig, der Stadt mit dem größten Schuh (2,20 m lang, 4,90 m hoch). In diesem Ort gibt es auch ein sehenswertes Kloster und eine Burg. Aber es zog uns bald weiter nach Schloss Colditz, wo wir an einer Führung teilnahmen.

Postkutsche ab Nimbschen

Colditz ist ein Renaissanceschloss, welches dadurch berühmt wurde, dass hier von 1939-45 ein Sonderlager für hohe alliierte Offiziere eingerichtet wurde. Wir wurden von der Burgprinzessin und ihrer Hofdame in zeitgenössischer Kleidung begrüßt. Besonders beeindruckt hat uns ein alter Fluchttunnel der Offiziere, gebastelte Verkleidungen und Fluchtwerkzeuge, sowie ein Schild, wonach die Insassen nach der Genfer Konvention zu behandeln sind, selbst wenn sie bereits einen Fluchtversuch unternommen haben.

Marktplatz Leisnig

Die nächste Station war das 995 erbaute Schloss Rochlitz mit seinen mittelalterlichen Malereien und der Folterkammer. Weiter ging es zum Rochlitzer Berg, wo wir im Türmerrestaurant einkehrten. Einige sportliche von uns erklommen den Aussichtsturm und erfreuten sich an der kilometerweiten Aussicht. Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig war gut zu erkennen.

Viadukt Göhren

Danach fuhren wir zum Viadukt Göhren, wo wir unsere Fahrzeuge für ein Foto sammelten. Vorbei am Schloss Waldenburg und dem VW-Werk Mosel erreichten wir schließlich das Horchmuseum in Zwickau. Während wir die beeindruckenden Exponate im Museum bewunderten, waren unsere Fahrzeuge auf dem Parkplatz den Museumsmitarbeitern nicht entgangen. Diese wurden sogleich in die Museumsführungen mit aufgenommen. Unsere Käfer wurden wie folgt kommentiert: „Das, meine Damen und Herren, sind alles Volkswagen-Käfer verschiedener Baujahre.“  Reinhards großer Karmann Ghia wurde folgendes erläutert: „Ob sie es glauben oder nicht, meine Damen und Herren, das ist auch ein Volkswagen. Es ist das Modell, welches vor dem Käfer gebaut wurde“. Das war mir allerdings neu. Man lernt eben immer noch dazu.

Parkplatz Jagdhaus Waldidyll

Nach dem Kaffeetrinken im Jagdhaus Waldidyll in Hartenstein erreichten wir unser Hotel in Zwönitz. Nach der Familie Luther und den prominenten Gefangenen waren wir hier erneut auf den Spuren bekannter Zeitgenossen: Im Gästebuch hatten sich u.A. bereits Reinhold Messner, Nicole, Status Quo, Slade und Manfred Mann verewigt. Beim Abendessen begrüßte uns übrigens ein Nachtwächter, der in sein Horn blies.

Mercedes 170S

Der nächste Tag begann mit der Besichtigung der Oldtimerrestaurationswerkstatt Werner Zinke, in der viele halbfertige Horch mit ihren riesigen Motoren zu bewundern waren. Gegenüber diesen Fahrzeugen wirkte der mitfahrende Mercedes 170S richtig niedlich und bescheiden. Die Zwönitzer Einheimischen waren allerdings nicht dieser Meinung: Während wir bei Zinke waren, ließen sie sich reihenweise mit dem Mercedes fotografieren. Für die Käfer interessierte sich leider keiner.

Danach fuhren wir nach Wernesgrün zu der bekannten gleichnamigen Brauerei. Auch hier haben Prominente ihre Spuren hinterlassen: z.B. CCR, Lords, Status Quo, Nena, Nicole und Peter Maffay. Letzterer hielt hier sein einziges Konzert im Jahre 2003 ab. Einem Zeitungsreporter, der ihn daraufhin ansprach, antwortete er: „Ich sing nur hier, denn hier gibt’s Bier“. Das gab natürlich eine tolle Schlagzeile.

Brauerei Wernesgrün

Nach einem guten Mittagessen besichtigten wir die Brauereiräume einschließlich dem großen Festsaal mit 480 Gedecken, dem Saustall, dem Misthaufen und den Pferdeboxen. Danach gab es einen schweren Gewitterregen von immerhin 11 l/qm mit Hagel. Dafür wurden wir jedoch anschließend mit klaren Fernsichten auf dem Weg zum Gasthof Waldidyll entschädigt.

Am nächsten Tag hieß es schon wieder Abschied nehmen. Beim Bepacken der Fahrzeuge wunderten sich die mitfahrenden Frauen, warum sich Männer sofort um eine geöffnete Motorhaube scharen. Schließlich wüssten doch die Männer, wie ein Motor aussieht. Liebe Frauen: Ihr solltet doch wissen, dass Männer sich auch sofort um eine nackte Frau scharen, obwohl sie wissen, wie eine nackte Frau aussieht.

Zughotel Wolkenstein

Das nächste Highlight war das Zugrestaurant und –hotel Wolkenstein, welches aus alten Speise- und Schlafwagen der Mitropa zusammengestellt war. Leider ereignetet sich hier die einzige unschöne Szene dieser Fahrt: Joachim stürzte beim Fotografieren ab und schlug mit dem Oberschenkel in eine Betonkante. Diagnose: Fahrunfähigkeit. Gottseidank hatten wir mehr Fahrer als Fahrzeuge, sodass dieses Problem gelöst werden konnte.

In Chemnitz

Weiter ging es zu einem Stadtbummel nach Chemnitz. Von dort aus fuhren wir über Rochlitz-Grimma auf die Autobahn. Leider verspätete sich mein Mitfahrer, sodass ich nicht mit der Gruppe mitfahren konnte. Trotz schneller Fahrt gelang es mir nicht mehr, zur Gruppe aufzuschließen. Da mir beim Durchfahren die Innenstadt von Grimma sehr gut gefiel, habe ich noch einen Abstecher zum berühmten spätgotischen Rathaus gemacht. Da haben die anderen etwas verpasst!

Rathaus Grimma

Dann haben wir uns aber doch noch auf der Autobahn getroffen. Eine erlebnisreiche Reise ging zuende. Als Fazit habe ich mir geschworen: Sachsen, ich komme wieder!

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