Oldtimertour ins Salzkammergut

18. Siebenschläferausfahrt der IG Historische VWs Braunschweig
vom 20.06
. - 24.06. 2008

Aufgezeichnet von Wolfgang Pflicht, Meine


1. Tag: Anfahrt nach Hildesheim zum DB Autozug
2. Tag: München-Ost – Chiemgau – Salzkammergut – Gmunden am Traunsee
3. Tag: Ausfahrt Salzkammergut – Dachstein – Steiermark – Wolfgangsee - Gmunden
4. Tag: Firmenbesichtigung und Weiterfahrt nach München-Ost zum DB Autozug
5. Tag: Rückfahrt von Hildesheim zum Ausgangsort

Braunschweig. Auch in diesem Jahr unternahm die Interessengemeinschaft Historische VWs Braunschweig eine nostalgische Ausfahrt mit rollenden Raritäten. Diesmal waren 20 automobile Kostbarkeiten aus drei Jahrzehnten (50er, 60er, 70er-Jahre) mit 38 Teilnehmern dabei. Neben Oldtimern der Marken VW, Audi und Skoda waren Alfa Romeo, Ford, Mercedes-Benz und Porsche vertreten – pure Nostalgie auf Rädern, ohne ABS, ESP, Bremskraftverstärker oder Servolenkung. So ging es auf Entdeckungsreise. Ein Novum in der Geschichte der IG Historische VWs war - wegen der großen Entfernung nach Österreich -  die reizvolle Kombination von Autozug- und Straßenfahrt, von Jürgen Kolle perfekt geplant und organisiert. Diese Ausfahrt war mit fünf Tagen die bisher längste, davon je zwei Nächte im DB Liegewagen bzw. im Hotel. Die gesamte Autofahrstrecke betrug etwa 1000 km und wurde im Wesentlichen in drei Tagen bewältigt. 


1. Tag: Am Abend trafen sich die Teilnehmer am Braunschweiger Flughafen zur 18. traditionellen Siebenschläferausfahrt, diesmal durch Bayern und Oberösterreich. Nach der allgemeinen Begrüßung und ersten Ansagen wurden die Startnummern befestigt, das umfangreiche Roadbook verteilt und die Ausfahrt gestartet. Liebevoll ausgewählte Reisepräsente und ein Autobuch sorgten für hinreichende Kompensation des entrichteten Startgeldes.Die erste Pause legten wir noch vor Hildesheim ein, wo ein kräftiges Abendbrot angeboten wurde.

 

Erstes Tagesziel war die Autoverladung in Hildesheim. Während wir die Wartezeit überbrückten, zündete ein prächtiges Feuerwerk über uns – ob auch das von Jürgen bestellt war? 

Der Zug nach München hatte leider über eine Stunde Verspätung, so dass wir erst nach Mitternacht die Liegewagen belegen konnten. Die Nacht verlief ohne Zwischenfälle, aber ein Liegewagen ist kein Schlafwagen. Beim Einnicken ging mir der Begriff “Rollendes Material” durch den Kopf..



2. Tag: Nach kurzer Morgentoilette im Zug gab es Kaffee oder Tee und Frühstücksbrötchen. Die einstündige Zugverspätung wurde zu unserer Freude durch die Deutsche Bahn bis München-Ost wieder aufgeholt. Nach der Ankunft und längerer Wartezeit konnten die Fahrzeuge wieder vom Autozug abgeholt werden. Hier warteten bereits weitere Fahrtteilnehmer aus Weinstadt bei Stuttgart und Wolfratshausen auf uns.

Gemeinsam ging es dann zum ersten Autostopp dieses Tages nach Wasserburg am Inn, wo ein reichhaltiges Frühstücksbüffet bestellt war und bei schönstem Sonnenwetter auf dem Marienplatz der Altstadt verzehrt wurde. Die Weiterfahrt erfolgte nach dem sorgfältig erstelltem Roadbook über Bad Endorf – Nordufer Chiemsee – Seebruck – Traunstein – Ruhpolding – Ramsau – Berchtesgaden bis zum Grenzübergang nach Österreich.


Am “Grenz-Gasthaus-Neuhäusl” erwartete uns bereits Max Sommerer von der Firma Ulbrichts Witwe GmbH, der die Ausfahrt - insbesondere im österreichischen Teil – als Co-Organisator mit geplant hat. Nach kurzer Einkehr fuhren wir weiter über Hallein – Adnet – Hof b.S. – Fuschlsee – St. Gilgen – Mondsee – Attersee bis zum Tagesziel Gmunden am Traunsee.

Wir erreichten nach abwechslungsreicher Fahrt auf sorgfältig ausgesuchten Land-, Neben- und Bergstraßen unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte, das Schlosshotel Freisitz Roith in A-4810 Gmunden: www.freisitzroith.at

Schlosshotel Roith

Nach dem Einchecken im Schlosshotel wurden die Zimmer belegt und die notwendige Körperpflege erledigt. Der erste Abendhöhepunkt wartete bereits auf uns: Ein Galadiner im stilvollen Ambiente des Schlosshotels mit verschiedenen Weinen und Evergreens sowie anschließender Champagner-Mondscheinfahrt mit der “MS Hochlecken” auf dem Traunsee – alles wunderbar. Nachts sorgte ein heftiges Gewitter für die Reinigung der Luft, wobei Blitze und heftige Donnerschläge die meisten aus dem Schlaf rissen.

3. Tag:  Nachdem wir uns am Frühstücksbüffet gestärkt hatten, traten wir eine Rundfahrt mit Start und Ziel Schlosshotel an. Einen ersten Fotostopp legten wir in Traunkirchen am Traunsee ein.

 

Als nächstes Teilziel erreichten wir Bad Ischl, um das historische Habsburgerschloss und den Kaiserpark, ehemaliger Sommersitz von Kaiser Franz Joseph, zu besichtigen. Von der freundlichen Schlossführerin erfuhren wir viel Interessantes aus der damaligen Zeit. Die vielen Hundert Geweihe belegten eindeutig, dass auch früher schon “Böcke geschossen” wurden.


Weiter ging es über Bad Goisern zum Hallstätter See mit kurzem Halt. Das war gut für die Oldtimer, denn der anschließende Koppenpass hatte 23 % Steigung. Da heißt es möglichst Schwung holen und bloß nicht stehen bleiben. Wer hoch fährt, muss auch meistens wieder runter. So gab es bis Bad Aussee eine steile Gefällestrecke. Fast unbemerkt hatten wir die Steiermark erreicht.

Direkt am Grundlsee legten wir bei schönstem Wetter eine wohlverdiente Mittagspause ein.Dann ging es zurück nach Bad Ischl und weiter zum Wolfgangsee nach St. Wolfgang. Wem wäre da nicht das Singspiel von Ralf Benatzky “Im Weißen Rössl” eingefallen?

Über St.Gilgen und Steinbach am Attersee erreichten wir auf schönen Nebenstraßen wieder unser Hotel in Gmunden.Nach kurzer Körperdusche - über 35 Grad Celsius hatten Mensch und Maschine auf hohe Betriebstemperatur gebracht - ging es zum zweiten Abendhöhepunkt: Die Firma Ulbrichts Witwe GmbH hatte zu einem romantischen Barbecue am Südufer des Traunsees eingeladen, welches wir mit der schon genannten “MS Hochlecken” erreichten. Nach den Erlebnissen dieses Tages schmeckten die köstlichen Grillspezialitäten und die kühlen Getränke an der frischen Luft mit Berg- und Seeblick besonders gut. Die Schiffsrückfahrt verlief bei bester Stimmung und guten Gesprächen.

4. Tag: Am folgenden Tag stand nach dem Frühstücksbüffet die Fahrt zur Besichtigung der Wallfahrtskirche Paura und anschließend der Firma Ulbrichts Witwe GmbH an. Das Vorausfahrzeug führte den Autokorso vermutlich etwas zu forsch an, so dass nur ein Torso die sehenswerte Wallfahrtskirche erreichte. Der Rest fuhr direkt nach Schwanenstadt zur Firmenbesichtigung. Hier erwartete uns schon Bernhard Papst mit erfrischenden Getränken sowie “Musik und Witz mit Fritz” – eine tolle Überraschung!

  

Information zu Ulbrichts Witwe GmbH, A-4690 Schwanenstadt, Kaufing 34, Austria: www.ulbrichts.com

Das mittelständische Unternehmen ist Spezialist für folgendes Produktspektrum:
- Embleme und Schriftzüge für Automobile
- Spritzgussteile mit Kurven und Kanten
- Schutzhelme für Feuerwehr, Polizei, Lärmschutz.

Der renommierte Automobilzulieferer Ulbrichts Witwe GmbH produziert zum Beispiel die Marken-Embleme für VW, Porsche und Mercedes.

Als Maschinenbau-Ing. und gelernter Werkzeugmacher war ich natürlich auf die Werksbesichtigung gespannt. Wir erfuhren, wie die VW-Embleme entstehen, am Beispiel der gesamten Prozesskette vom Design über Bauteilzeichnung zur eigenen Werkzeugkonstruktion, mit anschließendem Werkzeugbau, bis zur automatisierten Großserienproduktion. Das hat uns alle doch sehr beeindruckt.



Nach einem leckeren Imbiss - wieder mit Musikbegleitung von Fritz - folgte die Danksagung und herzliche Verabschiedung. Die Weiterfahrt führte über Nebenstraßen durch Vöcklabruck - Frankenmarkt – Straßwalchen – Mattsee – Seeham – Laufen – Petting – Taching – Palling –Trostberg – Altenmarkt bis Wasserburg. Groß war meine Freude, als ich bei der spontanen Rast in Mattsee kurz zum See lief und dort die Segelschule fand, wo ich meine Frau und unsere Tochter 1982 mit einem einwöchigen Segelkurs überraschte.

Der Stopp in Wasserburg diente zum Sammeln der Fahrzeuge und zum Pausieren. Nach zügigem Endspurt erreichten wir rechtzeitig unser Tagesziel München-Ost zur Verladung auf den DB Autozug: www.dbautozug.de


5. Tag: Auch die schönste Ausfahrt geht einmal zu Ende. Da der Zug mit einer Stunde Verspätung ankam, gab es gegen 5:30 Uhr den Frühstückssnack im Zug. Nach der Ankunft in Hildesheim und  anschließendem Abladen der Autos hieß es allgemein Abschied nehmen zur individuellen Rückfahrt zum Wohnort. Einige Teilnehmer fuhren noch zum gemeinsamen Ausklang ins Hotel Nord BS. Nach etwa 1000 Kilometern auf eigener Achse erreichten die Braunschweiger Fahrerteams ihren Ausgangsort.

Unwägbarkeiten: Das Wetter meinte es alle Tage gut mit uns. Bis auf ein nächtliches Gewitter und einen Regenschauer hatten wir pralle Sonne und trockene Straßen. Auch Straßenumleitungen und Verfahrer sind mit heiterer Gelassenheit hinzunehmen.

Zu den unliebsamen Ereignissen gehörten hitzebedingte Defekte an fünf  Fahrzeugen. Bei Bedarf mit Pannenhilfe von Oliver F. Bulant, ClassicCar GmbH, konnten die Fahrzeuge weitgehend direkt wieder fahrbereit gemacht werden. Nach eigener Darstellung ist die ClassicCar GmbH auf Oldtimer-Restaurierung und Service spezialisiert. Der Service war übrigens kostenlos – nochmals ein herzliches Dankeschön: www.classiccar.co.at

Bei allen Unwägbarkeiten einer Fahrt mit klassischen Automobilen hatten die Fahrteams Vertrauen in die ursprüngliche Technik, viel Spaß und Freude miteinander sowie ein großartiges Erlebnis.



Fazit: Nach meiner Einschätzung war es eine rundum gelungene Veranstaltung, reizvoll und abwechslungsreich. Meiner Frau und mir hat alles ausgezeichnet gefallen, geographisch und kulinarisch. Es kommt eben auf die richtigen Komponenten an, beispielsweise Zeit- und Routenplanung, harmonierende Teilnehmerteams, Hotel- und Gaststättenauswahl, gutes Essen und Trinken sowie ein interessantes Rahmenprogramm bei moderaten Kosten. Das Salzkammergut bietet einmalige Landschaften mit überwältigenden Naturschönheiten, den großen und kleinen Seen, den faszinierenden Bergen und den Serpentinenstraßen. Es ist zu jeder Jahreszeit ein Kleinod zum Erleben und Genießen.

Zurück bleiben schöne Erinnerungen an das Erlebte und die Vorfreude auf die nächste Siebenschläferausfahrt im Jahr 2009. Herzlichen Dank an alle Personen, Dienstleister und Firmen, die in irgendeiner Weise zum Gelingen dieser Oldtimertour beigetragen haben.

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