Sieben Erlebnisse auf der Siebenschläferfahrt ab 27. Juni 97

von Dr. Ulrich von Pidoll, Braunschweig

Zum siebten mal (Königslutter 1991, Emmerstedt 1992, Bad Camberg 1993, Hornburg 1994, Bad Camberg 1995, Freyburg 1996) trafen sich wieder einige wackere VW-Liebhaber aus der Region Braunschweig mit ihrem Anhang zu einem Ausflug mit sieben historischen Volkswagen. Waren es bisher hauptsächlich VW-Treffen, zu denen die unverwüstlichen Oldtimer gemeinsam bewegt wurden, so stand nach der erfolgreichen Ausfahrt nach Freyburg diesmal eine weitere mehrtägige Fahrt auf dem Programm. Schon die unterschiedlichen Autokennzeichen verrieten, daß es sich hierbei um eine Regionalausfahrt handelte.


1. Streich: Am 27sten Juni 97 starteten wir um sieben Uhr in Braunschweig. Die erste Etappe führte nach Klein Mahner, wo wir historische Eisenbahnfahrzeuge der Warnetalbahn besichtigen durften. Anschließend ein Schock: Lucas Brezelkäfer wurde vorne rechts von einem verkehrswidrig fahrenden Polo erwischt. Gottseidank hat ein Polo jedoch keine stabilen Blechteile, und deshalb kam Luca mit ein paar Schrammen am Kotflügel und einer leicht verbogenen Sickenstoßstange davon, während der Sachschaden am Polo beträchtlich höher ausfiel. Mit siebzig Minuten Verzögerung konnte dann jedoch die Fahrt weiter fortgesetzt werden.

2. Streich: Nach diesem Zwischenfall kehrten wir zu einem reichhaltigen Frühstück in der Burgwirtschaft in Nörten-Hardenberg ein. Dort gibt es sogar ein Pferdezimmer, in welchem u.a. schon Paul Schockemöhle, Gert Wildfang und Henrik Snoek gastierten. Kein Wunder, schließlich leben auf diesem Hof mehr Turnierpferdestärken als wir in unseren Fahrzeugen zusammen aufwiesen. Gut gestärkt bestiegen wir dann die Burg Hardenberg, die extra für uns geöffnet wurde. Während die unsportlichen unter uns sofort den leicht baufälligen Turm erklommen und die herrliche Aussicht u.a. auf weit in der Ferne vorbeifahrende ICE-Züge genossen, verblieben die sportlichen aus unserer Runde in der Höhe des mannshoch wachsenden Unkrauts am Boden und genossen die intensiven Sonnenstrahlen.

3. Streich: "Dieses war der zweite Streich, und der dritte folgt sogleich". Dieses geflügelte Wort von Wilhelm Busch nahmen wir uns zum Anlaß, einen Abstecher zum Wilhelm Busch Museum nach Ebergötzen zu machen. Hierbei handelte es sich um eine uralte Mühle in Fachwerkbauweise mit Deckenhöhen von kaum mehr als 180 cm. Hieraus resultierten zwei leichtere Verletzungen von Teilnehmern im oberen Kopfbereich. Es war schon sehr eindrucksvoll, die wenig möblierten armseligen Räume ohne Heizung zu besichtigen und zudem das Rattern der Mühle und diverser Maschinen zu erleben, die zur Taubheit vieler Müller führten. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir, daß es sich bei Max und Moritz um ausgeschmückte autobiographische Erlebnisse von Wilhelm Busch ("Moritz") mit seinem besten Freund Max handelte.


Passend zu diesen Eindrücken von der früheren Lebensweise fand das Mittagessen in einem rustikalen Gewölbekeller im Heilbad Heiligenstadt statt. Dabei wurden uns beim Überqueren der ehemaligen DDR-Grenze vorher das Elend der deutschen Teilung deutlich: die Massenflucht aus dem thüringischen Ort Bösekendorf. Vorbei am Werrataldurchbruch vor 1,5 Millionen Jahren mit seinen schroffen Sandsteinformationen erreichten wir am späten Abend unser Hotel Thüringer Hof in Eisenach, wo ein reichhaltiges Abendbuffet auf uns wartete.

4. Streich: Am nächsten Morgen erwachten wir alle sehr gut ausgeruht, denn die Betten erwiesen sich als außerordentlich bequem. Wir starteten zur Wartburg, die wir nach einem kurzen, aber sehr steilen Fußmarsch außer Atem erreichten. Alle waren beeindruckt von den romanischen Räumen des Pallas. Sein Erbauer, Ludwig der Springer (1042-1123), stellte sich uns auf seiner guterhaltenen Grabplatte sehr plastisch vor. Ein Bild im Sängersaal zeigte den Sängerkrieg auf der Wartburg um 1200, und man konnte durch direkten Vergleich mit dem Saal die Modernisierungsmaßnahmen der letzten Jahrhunderte erkennen (z.B. verglaste Fenster, geänderte Türbögen). Ein Höhepunkt der Führung bildete das spartanisch eingerichtete Lutherzimmer mit Luthers Schreibtisch und Walknochen, welches zwar im Prinzip seit seinen Lebzeiten unverändert gelassen wurde, aber im Lauf der Jahrhunderte von Souvenirjägern etwas beschädigt wurde.

5. Streich: Anschließend statteten wir dem Automobilmuseum Eisenach einen Besuch ab. Bereits von der Wartburg aus war das riesige Abbruchgelände der ehemaligen Automobilwerke Eisenach zu erkennen gewesen, nur noch die Toreinfahrt war übrig geblieben. Im Museum erfuhren wir, daß Wartburg nach Daimler und Benz die drittälteste Automobilfabrik Deutschlands war. Ein "Wartburg Kutschierwagen" von 1899 legte Zeugnis von dieser Zeit ab. Nach der Jahrhundertwende wurden die Fahrzeuge "Dixi" genannt, und in der Zeit der Wirtschaftskrise wurde die Firma von BMW übernommen. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Wartburgwerke von den Russen enteignet. Sie produzierten dann unter dem Markennamen EMW, später Wartburg, wieder unter primitivsten Bedingungen Autos bis zum Zusammenbruch im Jahre 1991.

6. Streich: Auch am zweiten Tag hatten wir herrliches "Windows 95"-Wetter, und Schirme und Regenjacken wurden nicht benötigt. Nach dem Museumsbesuch fuhren wir nachmittags zum Reichsbahn-Ausbesserungs-Werk Meinigen, wo wir die Restaurierung und den Zusammenbau von Dampfloks aus nächster Nähe bewundern konnten. Nach dieser Besichtigung erschienen uns die Probleme mit unseren Fahrzeugen geradezu lächerlich klein und billig. Abends trafen wir uns im "Klimperkasten", einem urigen Lokal in der City von Eisenach, und erfuhren von der Speisekarte u.a., daß Männer, die voll kommen, nicht vollkommen sind.

7. Streich: Wieder hatten wir sehr gut geschlafen und starteten bei bestem Wetter zu einer Tour durch den Thüringer Wald. Wir fuhren über schlechte, gute, breite und schmale Straßen, aber auch Feldwege und Schotterstraßen. Kurz und gut, wir erlebten alle Straßenverhältnisse der 50er Jahre. Über Wolfsburg(!) ging es zum Trusetaler Wasserfall, und von da aus zu über eine landschaftlich wunderschöne Strecke nach Sontra-Ulfen, wo wir im rustikalen Kloppers Brauhaus ein gutes Mittagessen zu uns nahmen. Weiter ging es dann nach Bad-Sooden-Allendorf, wo wir uns nach einem Kaffee verabschiedeten. Kaum waren wir wieder zuhause, gab es ein schlimmes Unwetter. Wir hatten wirklich Glück mit dem Wetter. Ob Petrus wohl auch zu den historischen Volkswagenfahrern gehört? Vielleicht erfahren wir es auf der nächsten Siebenschläferfahrt 1998.

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